Der Wechsel des Gasversorgers - Leitfaden für den unproblematischen Ablauf


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Rund 20 Millionen Haushalte in der Bundesrepublik benutzen Erdgas zum Heizen und für die Warmwasseraufbereitung. Das entspricht knapp der Hälfte aller deutschen Haushalte. Die Gaspreise für private Verbraucher, welche an den Erdölpreis gekoppelt sind, sind zwischen 2002 und 2012 im Durchschnitt um ca. 50% gestiegen. Da die Heizkosten mit ca. 75% den weitaus größten Anteil der Wohnnebenkosten privater Endverbraucher ausmachen, ist dies eine gewaltige Mehrbelastung für die Gaskunden. Zusammengesetzt wird der Gaspreis aus den beiden Komponenten Grundpreis (verbrauchsunabhängig) und Verbrauchspreis (auch Arbeitspreis). Im Verbrauchspreis sind Steuern, Netznutzungsgebühren, Konzessionsabgaben sowie Einkaufs- und Vertriebskosten enthalten. Insgesamt liegt der Anteil von Steuern und Abgaben beim Gaspreis bei ungefähr 30%. Bei den restlichen 70%, die für Produktion, Transport, Speicherung, Verteilung und Gewinne anfallen, können sich die Gasversorger stark unterscheiden. Somit gibt es mitunter Preisunterschiede von über 40% zwischen den verschiedenen Gasanbietern. Ein Gasanbieterwechsel kann also die finanziellen Belastungen, die durch Heizung und Warmwasser entstehen, erheblich reduzieren. Dieser Wechsel ist ähnlich unkompliziert und risikolos möglich wie ein Stromanbieterwechsel. Derzeit (Oktober 2012) befinden sich etwa 800 Anbieter auf dem deutschen Gasmarkt. Viele davon sind zwar nur regional tätig, dennoch gibt es mittlerweile für jeden Kunden eine Alternative zur teuren Gas-Grundversorgung. Einzige Ausnahme sind Mieter ohne eigenen Gaszähler. Sie sollten sich an ihren Vermieter wenden, um diesen auf die Wechselmöglichkeiten hinzuweisen.


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Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist:

Der bestehende Vertrag mit dem alten Gaslieferanten, kann nur zum Ende der Vertragslaufzeit unter Einhaltung der Kündigungsfrist gekündigt werden. Grundversorgungsverträge können jederzeit mit Monatsfrist zum Monatsende gekündigt werden. Bei Preiserhöhungen seitens des Gasversorgers ergibt sich ein Sonderkündigungsrecht. Für dieses gilt ebenfalls eine Friste, deren Länge dem Gasliefervertrag zu entnehmen ist. Beim Abschluss eines neuen Vertrages sollten Laufzeiten und Fristen ebenfalls berücksichtigt werden. Vertragslaufzeiten von mehr als einem Jahr und Kündigungsfristen über drei Monaten sind nicht empfehlenswert.


Verbrauchswerte:

Vor dem Anbietervergleich sind unbedingt die eigenen Verbrauchswerte in Erfahrung zu bringen. Diese werden in Kilowattstunden (kWh) angegeben und sind der letzten Jahresendabrechnung zu entnehmen. In wenigen Fällen wird der Verbrauch in Kubikmetern (m³) auf der Abrechnung ausgewiesen. Aus diesem lassen sich aber die Kilowattstunden errechnen, indem man ihn mit den Werten für Brennwert (gibt den Energiegehalt des Gases an) und Zustandszahl (berücksichtigt Höhenlage und Temperaturen der Abnahmestelle) multipliziert:

Kilowattstunden = Kubikmeter x Brennwert x Zustandszahl

Zusätzlich ist noch die Angabe der Leistung des Heizkessels erforderlich. Diese ist entweder dem Typenschild des Heizkessels oder dem Messprotokoll des Schornsteinfegers zu entnehmen. Oft ist sie auch in der Jahresrechnung (des alten Gasanbieters) enthalten.


Ökogas:

Leider gibt es für den Begriff „Ökogas“, seltener auch „Klimagas“ genannt, weder einheitliche Richtlinien noch ein unabhängiges Siegel. Manche Anbieter verstehen darunter die Kohlendioxid-Neutralität ihres Gases, die durch den Kauf von Emissionszertifikaten erreicht werden soll. Bei anderen Anbietern werden Klimaprojekte subventioniert. Wer auf Ökogas Wert legt, sollte sich auf der Internetseite des potenziellen neuen Gasanbieters informieren, was dieser darunter versteht. Die Preise für Ökogas sind selbstverständlich höher als bei konventionellem Gas.


Rabatte:

Viele Anbieter gewähren ihren neuen Kunden einmalige Neukundenboni. Dieses ist selbstverständlich ein geldwerter Vorteil, der jedoch nur einmalig gewährt wird, und somit auf die gesamte Vertragslaufzeit umzurechnen ist.


Preisgarantie:

Preisgarantien sind grundsätzlich von Vorteil. Allerdings ist ein niedriger Preis ohne Preisgarantie einem deutlich höheren, dafür aber garantierten Preis vorzuziehen.


Vorauszahlungen:

Gaslieferverträge, bei denen der Kunde die gesamte Summe im Voraus zahlen muss, sind im Regelfall nicht empfehlenswert. Zum einen weil sehr hohe Kosten anfallen können, wenn der tatsächliche Verbrauch die zuvor bezahlte Gasmenge übersteigt und zum anderen, da bei einem geringeren Verbrauch trotzdem der volle Preis bezahlt werden muss. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass die Vorauszahlung bei einer Insolvenz des Gasanbieters verloren geht.


Versorgungspflicht:

Sollte es beim Gasanbieterwechsel zu irgendwelchen Pannen oder Problemen kommen, besteht dennoch nicht die Gefahr, von der Gasversorgung abgeschnitten zu werden. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass in diesem Fall der örtliche Grundversorger die Gaslieferung zum Kunden weiterzuführen hat. Das gleiche gilt auch, wenn der Gaslieferant aus anderen Gründen, wie beispielsweise Insolvenz, kein Gas mehr liefern kann.


Der günstigste Anbieter:

Um den kostengünstigsten Gasanbieter zu finden, bieten sich Vergleichsportale an. Das sicherlich bekannteste sowie definitiv eines der Seriösen und an dieser Stelle auch unsere Empfehlung ist Verivox*. Ein Vergleich der verschiedenen Tarife auf Verivox ist unverbindlich und kostenlos.


Der neue Gasliefervertrag:

Der Vertrag mit dem neuen Gasversorger kann auf zwei Wegen zustande kommen. Entweder direkt Online, auf dessen Internetseite, wodurch sich ein zweiwöchiges (gesetzlich vorgeschriebenes) Widerrufrecht ergibt oder durch den Download bzw. die unverbindliche Anforderung der Vertragsunterlagen, welche dann unterschrieben zurückgeschickt werden müssen. Bei der zweiten Methode besteht das Widerrufsrecht nicht.



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