Der Wechsel des Stromanbieters - Dinge die man beachten sollte


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Der Strompreis für private Endverbraucher setzt sich aus insgesamt sechs Bestandteilen zusammen. Diese lassen sich wiederum ein zwei Hauptkategorien unterteilen. Die erste Kategorie umfasst die Kosten, die vom Stromanbieter nicht zu beeinflussen sind und von daher bei allen Stromversorgern in gleicher Höhe anfallen. Zu diesen Kosten gehören Mehrwertsteuer (macht ca. 16% vom Gesamtstrompreis aus), Stromsteuer (8%), Konzessionsabgaben (7%), EEG-Umlage (14%), §19-Umlage (0,6%) sowie die Netznutzungsgebühr (20%). Die zweite Kategorie umfasst die Kosten für Stromerzeugung und -Vertrieb sowie die Gewinne des Stromanbieters. Diese Kosten machen etwas über ein Drittel am durchschnittlichen Gesamtstrompreis aus (34,4%) und können bei verschiedenen Energieversorgern sehr unterschiedlich ausfallen. In einigen Regionen liegt die Differenz zwischen dem günstigsten und dem teuersten Stromanbieter bei 30%. Es kann sich also sehr lohnen, die Strompreise zu vergleichen und den Anbieter gegebenenfalls zu wechseln. Grundsätzlich ist ein Wechsel des Stromanbieters sehr unkompliziert und ohne Risiko möglich. Allerdings gibt es einige Dinge, die man wissen sollte, um beim Strompreisvergleich auch wirklich den günstigsten Anbieter zu finden.


Der eigene Stromverbrauch:

Bevor man die Strompreise vergleicht, sollte man unbedingt den eigenen Stromverbrauch ermitteln. Dieser wird in Kilowattstunden (kWh) angegeben und lässt sich der letzten Jahresabrechnung des derzeitigen Stromversorgers entnehmen.


Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen:

Bei der Kündigung des alten Stromvertrages ist man an Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen gebunden. Häufig haben Stromverträge eine Laufzeit von einem Jahr und sind unter Einhaltung einer einmonatigen Frist kündbar. Auch beim neuen Anbieter sollte darauf geachtet werden, dass diese Zeiträume nicht nennenswert überschritten werden. Ein Sonderkündigungsrecht ergibt sich, wenn der Stromversorger seine Preise erhöht. Leider sind die Fristen, in denen man von diesem Sonderkündigungsrecht gebrauchen machen kann, üblicherweise sehr knapp bemessen. Wer aufgrund einer Preiserhöhung seinem alten Stromversorger kündigen möchte, hat dafür im Regelfall nur zwei bis vier Wochen Zeit. Ist diese Frist verstrichen, so gilt wieder die normale vertraglich festgeschriebene Laufzeit und Kündigungsfrist.


Ökostrom:

Als Ökostrom wird Strom bezeichnet, der aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen wird. Also im wesentlich aus Wind-, Sonnen-, und Wasserkraft sowie Biomasse. Dieser „grüne Strom“ macht derzeit (Oktober 2015) ca. 27% der gesamten in Deutschland verbrauchten elektrischen Energie aus. Ökostrom ist nur noch unwesentlich teurer als der günstigste konventionell erzeugte Strom (ca. 2% - 5%) und sogar wesentlich billiger (durchschnittlich 17%), als Strom aus der örtlichen Grundversorgung. Für den Begriff „Ökostrom“ gibt es keine gesetzlich vorgeschriebene Definition, jedoch haben sich verschiedene Gütesiegel etabliert, die ökologischen Strom zertifizieren. Die wichtigsten sind:


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Grüner Strom-Label: Die Zertifizierung mit diesem Gütesiegel ist an zahlreiche Strenge Voraussetzungen gebunden. So muss der Strom zu 100% aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden und der Stromanbieter muss zusätzlich in den Ausbau erneuerbarer Energien investieren. Bei Privatkunden sind dies 1 Cent pro kWh. Außerdem darf der Anbieter keine Atomkraftwerke betreiben oder Beteiligungen an AKW-betreibenden Unternehmen haben, um dieses Siegel zu erhalten.


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EKOenergie: Das EKOenergie-Label ist das Siegel eines europäischen Netzwerkes verschiedener Umweltorganisationen. Auch dieses Label wird nur vergeben, wenn der Strom zu 100% aus erneuerbaren Quellen stammt. Zu den weiteren Kriterien gehören u.a. Nachhaltigkeit, Klimaschutz und genaue Verbraucherinformationen. Für jede kWh werden 0,01 Cent in einen EKOenergie-Klimafonds eingezahlt und 0,008 Cent direkt an das EKOenergie Netzwerk gezahlt. Für Strom aus Wasserkraft werden zusätzliche 0,01 Cent in einen Umweltfonds eingezahlt. Die Preise für EKOenergie Produkte liegen ca. 10% über dem Marktpreis für konventionellen Strom.


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Ok-power: Der Schwerpunkt liegt bei diesem Siegel sehr stark auf dem Ausbau erneuerbarer Energie. Der Strom muss zu 100% aus regenerativen Energien stammen. Dabei gelten zusätzliche Anforderungen an die Eingriffe ins Ökosystem, welche möglichst gering sein sollen. Maximal 2/3 des Stromes dürfen aus Anlagen stammen, die älter als sechs Jahre sind und nur 1/3 darf aus Anlagen stammen, die älter als zwölf Jahre sind.



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TÜV-Nord:: Das Siegel des TÜV-Nord erfordert, dass der Strom zu 100% aus erneuerbaren Energien stammt. Zudem muss der weitere Ausbau erneuerbarer Energien gefördert werden und eine transparente Kommunikation mit dem Endkunden gewährleistet sein.




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TÜV-Süd EE01 und EE01: Beim EE01-Zertifikat muss der Strom zu 100% aus erneuerbaren Energien und 30% davon aus Neuanlagen stammen. Preisaufschläge sind zu 2/3 in den Ausbau regenerativer Energien zu investieren. Für das EE02-Zertifkat gilt zusätzlich das Kriterium, dass jederzeit tatsächlich so viel Ökostrom ins Netz eingespeist werden muss, wie die Endkunden gerade verbrauchen (Zeitgleiche Ökostromversorgung).



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Renewable Plus: Bei diesem Zertifikat muss der Strom zu 100% aus erneuerbaren Energie stammen und der Betreiber verpflichtet sich in den Neubau oder Ausbau von Anlagen zu regenerativen Stromgewinnung zu investieren. Durch Emissionszertifikate soll der Bau sowie der Betrieb der Kraftwerke zu 100% klimaneutral sein. Die Überwachung und letztendliche Zertifizierung erfolgt durch den TÜV Rheinland.



Die genauen Kriterien der einzelnen Energielabel sind bei Wikipedia nachzulesen.


Tag- und Nachtstrom:

Bis vor einigen Jahren haben viele Stromanbieter noch einen gesonderten Nachtstromtarif angeboten, bei dem der Strom zwischen 22:00 Uhr und 6 Uhr günstiger bezogen werden konnte. Der Hintergrund war, die Kraftwerke aus wirtschaftlichen und technischen Gründen auch Nachts auslasten zu wollen. Für die Endverbraucher lohnte sich dieser Tarif vor allem in Verbindung mit den früher weit verbreiteten Nachtstromheizungen. Inzwischen wird Nachtstrom kaum noch angeboten und wenn doch ist er meistens kaum billiger als Tagstrom.


Preisgarantien:

Viele Anbieter bieten Tarife mit Preisgarantien an. Diese sind in jedem Fall sinnvoll und sollten für mindestens 12 Monate gelten.


Rabatte:

Häufig werden Neukunden Rabatte oder Boni eingeräumt. Da diese nur einmalig gewährt werden, sind sie mit dem Strompreis der gesamten Vertragslaufzeit zu verrechnen und nicht mit dem monatlichen Strompreis.


Paketpreise und Vorauszahlungen:

Durch die Abnahme einer bestimmten vorher festgelegten jährlichen Menge an Strom, kann bei vielen Anbietern der Strom besonders günstig bezogen werden. Dieser Preisersparnis stehen allerdings auch mehrere gravierende Nachteile gegenüber. Erstens ist die Abnahme von Strompaketen nur in Verbindung mit einer jährlichen Vorauszahlung möglich. Sollte der Stromanbieter in dieser Zeit pleite gehen, ist das Geld weg! Zweitens: Wird weniger Strom verbraucht als im Paket gekauft, zahlt man die Differenz trotzdem. Strom sparen hat dann also nur noch einen sehr begrenzten Nutzen.


Technische Voraussetzungen:

Für den Wechsel des Stromanbieters müssen keinen technischen Veränderungen vorgenommen werden. Weder am Stromzähler noch sonst irgendwo im Haus oder der Wohnung muss etwas ausgetauscht, umgestellt oder sonst irgendwie technisch verändert werden.


Versorgungslücken:

Die gesetzlichen Regelungen verhindern wirkungsvoll, dass man beim Wechsel des Stromanbieters zwischenzeitlich ohne Strom dasteht. Mit der Kündigung des alten Stromanbieters sollte einfach der neue Anbieter beauftragt werden. Dafür stellen alle Stromversorger Formulare bereit, die zusammen mit den Vertragsunterlagen (siehe unten: Vertragsabschluss) ausgefüllt und unterschrieben werden können. Der neue Tarif startet dann lückenlos, sobald der alte endet. Sollte der Stromanbieter einmal in Insolvenz gehen, steht man ebenfalls nicht ohne Strom da. In diesem Fall springt automatisch der örtliche Grundversorger ein. Grundsätzlich können also nur zwei Dinge dazu führen, dass man von der Stromversorgung abgeschnitten wird: Technische Defekte am Haus oder am Stromnetz und eine nicht bezahlte Stromrechnung.


Den günstigsten Anbieter finden:

Vergleichsportale für Stromanbieter gibt es viele. Wir empfehlen an dieser stelle Verivox*, da dieser Anbieter nicht nur seit Jahren etabliert ist, sondern auch von vielen Verbraucherzentralen empfohlen wird.


Vertragsabschluss:

Hat man im Preisvergleich den günstigsten Anbieter gefunden, kann der Wechselauftrag auf dessen Internetseite direkt ausgefüllt und abgeschickt werden. Ab diesem Zeitpunkt besteht noch ein 14-tägiges Widerrufsrecht für den Fall, dass man es sich anders überlegt. Alternativ kann man die Vertragsunterlagen auch per PDF-Datei herunterladen oder sich per Post oder eMail zuschicken lassen. Diese müssen dann ausgefüllt und unterschrieben zurück gesendet werden. Erst dadurch kommt der neue Liefervertrag zustande. Man hat also bis zum Abschicken dieser Unterlagen noch Bedenkzeit sowie die Möglichkeit den Vertrag zu prüfen und es besteht keine Gefahr sich zu „verklicken“. Ein Widerrufsrecht besteht in diesem Fall aber anschließend nicht mehr.



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